Kernaussagen Michael Sailer

Geschäftsführer Öko-Institut e.V.

„Der Betrieb von Kernkraftwerken stellt immer ein Risiko dar. Denn es kann bei allen verwendeten AKW-Typen zu schweren Unfällen mit massiven Freisetzungen von Radioaktivität kommen, die zu langfristiger radioaktiver Kontamination großer Gebiete führen können, wie es in den Fällen Tschernobyl und Fukushima geschehen ist.

Es gibt international unterschiedlich hohe Sicherheitsstandards. Der Standard der in Deutschland noch in den nächsten Jahren bis spätestens 2022 betriebenen AKW ist im internationalen Vergleich sehr hoch; dennoch besteht auch bei diesen Anlagen das Risiko eines schweren Unfalls. Man kann nur die Wahrscheinlichkeit verringern, aber nicht Unfälle physikalisch unmöglich machen.

Sailer

Auch terroristische Angriffe und Kriegssituationen können solche schweren Unfälle in Kernkraftwerken auslösen. Dies ist unter den heutigen politischen Bedingungen ein nicht zu vernachlässigendes Problem.

Es ist wichtig, sich klarzumachen, dass es eine deutliche Abstufung der Risiken in der Nukleartechnik gibt. Das mit Abstand größte Risiko geht von im Betrieb befindlichen AKW aus.

Bei abgeschalteten Anlagen können nur noch weniger schlimme Unfälle passieren. Das Risiko ist vergleichsweise höher, solange sich im abgeschalteten Kernkraftwerk noch die Brennelemente befinden, entweder noch im Reaktor selbst oder in dem Brennelementlagerbecken innerhalb des Reaktorgebäudes. Wenn die Kühlsysteme für die Brennelementkühlung ausfallen, sind nach einigen Tagen immer noch schwerwiegende Folgen möglich. Deshalb ist es sinnvoll, die Brennelemente möglichst bald in Lagerbehälter umzuladen; diese werden passiv durch Naturzugkühlung gekühlt, sodass es nicht zu einem Kühlungsausfall kommen kann. Zudem ist in den massiven Behältern ein besserer Schutz gegen Einwirkungen von außen gegeben, vor allem im Vergleich zu älteren AKW, die nicht flugzeugabsturzsicher gebaut sind (z.B. Philippsburg 1,  Neckarwestheim 1).

Insgesamt sollte der Rückbau der Kernkraftwerke zeitnah erfolgen, weil dadurch eine Minimierung des verbleibenden Risikos erfolgt.